“Phantommörderin” hat nie existiert – Polizei jagte imaginären Feind

Phantom
Nein, Konata ist nicht das “Phantom”. Um genau zu sein, ist es niemand.
Da kürzlich auf sensationelle Weise die wenig erfreuliche Wahrheit über die “Phantommörderin” ans Licht befördert wurde und es mich mal wieder juckt, ein wenig Tacheles zu reden, schreibe ich ein wenig was zu diesem Thema. Gleichzeitig kann ich so die Zeit bis zur Veröffentlichung der Vorschau auf die Anime Spring Season etwas überbrücken, die sich dank meiner Faulheit verzögert, an der ich mit Hochdruck arbeite und auf die ihr euch alle schon freuen dürft.
Kommen wir nun zum eigentlichen Thema. Schon seit Jahren jagte die Polizei einer Möderin hinterher, die es fast zu einem prominenten Status geschafft hatte. Auf zahlreiche Namen wie “Phantom” oder “die Frau ohne Gesicht” getauft, wurden ihre Spuren an über 40 Tatorten quer durch Zentraleuropa gefunden. Diese machten sie zur meist gesuchten Verbrecherin Deutschlands, wobei der bekannteste Kriminalfall der Polizistinmord von Heilbronn war. Trotz der vielen Taten gab es jedoch nie Zeugen und erst recht keine Ergreifung, auch wollten die verschiedenen Fälle kein gemeinsames Muster aufweisen. Dieses Mysterium brachte ihr den Titel “Phantom” und eine europaweite Fahndung ein. Nun wurde aber endlich eine Erklärung für das mysteriöse Phantom gefunden und die Aufklärung ist letztlich zwar wahr, aber höchst unrühmlich: Die Phantommörderin hat es nämlich nie gegeben. Der ganze Fall beruhte “lediglich” auf eine Verunreinigung der Wattestäbchen, die die Polizei zur DNA-Analyse verwendete, die mutmaßliche DNA des Phantoms wurde nun einer Mitarbeiterin der Herstellungsfirma zugewiesen…
Dass ich nicht unbedingt viel von unserer Polizei halte, dürfte bereits im Artikel zum Winnenden-Amoklauf zum Ausdruck gekommen sein. Dort bezeichnete ich die Selbstbeweihräucherung der Polizei schon als höchst peinlich. Dass sich aber nun herausgestellt hat, dass die Polizei über Jahre hinweg einen imaginären, übermächtig erscheinenden Feind vergeblich hinterhergejagt hat, bedeutet das Erreichen einer neuen Spitze der Schande. In all den Jahren ist niemand von der Polizei mal auf die Idee gekommen, dass dieser brisante und unlogisch erscheinende Fall einer falschen Annahme zugrunde liegen könne, nämlich dass die DNA “falsch” sei. Die Polizei ist auch nicht mehr das, was sie mal war.
Zugleich wird durch dieser Skandal die kriminologische Aufklärungsmethode der DNA-Analyse in Frage gestellt. Ich behaupte: Die Wissenschaft lügt nicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass wissenschaftliche Ergebnisse nicht falsch gedeutet werden könnten. Wissenschaftliche Mittel sind keine Zusicherung dafür, dass man seinen Denkprozess abschalten könnte und der auf den ersten Blick vielleicht klaren Botschaft blindlings folgen sollte.
Natürlich weist unser allseits geliebtes Bundeskriminalamt, kurz BKA, wieder jede Schuld von sich. Klar, der erste und unentschuldbare Fehler liegt bei der Herstellungsfirma, aber vor allem bei einem dermaßen großen Fall sollte man nicht nur ein bisschen mehr Sorgfalt erwarten können. Keiner befand es für nötig, mal ein wenig weiter zu denken als andere und als Resultat kam diese jahrelange, sinnlose Fahndung nach einem Hirngespinst, das sich die Polizei selbst geschaffen hatte, heraus.
Immerhin hat sich die ganze Sache nun aufgeklärt und wir wissen endgültig, dass die ganzen Ermittlungen für die Katz’ waren und unsere Polizei wieder gründliche Arbeit geleistet hat. Ich habe die BKA vorhin als peinlich bezeichnet. Diese Aussage möchte ich revidieren. Die Grenze der Peinlichkeit haben wir schon lange hinter uns gelassen.
Im jeden Fall hat die BKA mal wieder ihre absolute Unfähigkeit und Dummheit unter Beweis gestellt. Immerhin mal ein echter Beweis.
Sonntag 14. Februar 2010 um 22:05
Dienstag 16. Februar 2010 um 20:38
Sonntag 19. Juni 2011 um 03:29