Einfach nicht totzukriegen, aber fast…
Sonntag 19. Juni 2011 von Gintoki

Schluss damit! Zurück an die Arbeit!
So, mit großer Freude melde ich, Gintoki, mich wieder zum Dienst. Seit meiner letzten Blogtätigkeit ist doch einige Zeit vergangen und so ist es höchste Zeit, die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber das kennt man inzwischen ja durchaus, daher hoffe ich, dass sich niemand Sorgen gemacht hat. ![]()
Die letzten Wochen habe ich ebenso wie White Skull vor allem mit den Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen verbracht und jetzt, da ich diese Hürde genommen habe, kann ich mich wieder dem Bloggen widmen.
Dabei war das Aufrufen der eigenen Blogseite schwerer als jede Abiturprüfung. Denn wie ihr inzwischen wissen dürftet, bekomme ich immer ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich eine Weile lang nichts geschrieben habe, und je schlechter mein Gewissen wird, desto schwerer fällt es mir, blockiert von der Angst, auf Kotatsu einen inzwischen zugespammten Saustall vorzufingen, auf den Blog zurückzukehren. Ein wahrer Teufelskreis also. Die Befürchtung, haufenweise Spam vorzufinden, hat sich aber glücklicherweise nicht bewahrheitet, um das meiste scheint sich White Skull schon gekümmert zu haben.
Verlängert wurde meine Auszeit nach den Abiturprüfungen auch noch durch die Entfernung der zwei verbliebenen Weisheitsheitszähne auf der rechten Seite, die meiner Vita ein weitere Nahtoderlebnis hinzufügte. Angst vor dem Eingriff hatte ich kaum, schließlich zeigte mir die Erfahrung vom letzten Mal, dass man ihn mit etwas Glück durchaus überleben könnte – und möge es noch so knapp sein.
Und während ich auf dem Exekutionsstuhl saß und die Beleuchtungslampe über mir anstarrte, kam mir auch rasch die Erkenntnis, wovon Menschen mit Nahtoderlerfahrungen sprechen, wenn von “und dann war da so ein Licht…” die Rede ist. Schon bald bevorzugte ich aber das Schließen meiner Augen, denn mich reizte es nicht unbedingt zu erfahren, welche Foltewerkzeuge auf meine Zahnpartie gehetzt wurde. Und vor allem wollte ich noch weniger wissen, was da so alles meine Mundhöhle im Gegenzug wieder verließ.
Während der obere Zahn sich mehr oder weniger kampflos ergab, gestaltete sich die Entfernung des unteren, kaum durch das Zahnfleisch durchgebrochenen Zahns, die mein Zahnarzt in seiner gewohnt fröhlichen Art mit Flüchen wie “Das kann doch nicht sein!” und “Ich krieg es einfach nicht raus” kommentierte, wesentlich schwieriger. Als letztes Mittel griff man wohl auf eine mitteralterliche Methode zurück, die meiner Einschätzung nach ganz in der Tradition des berüchtigten Verteilens steht. Diese erforderte letztlich, dass seine Kollegin meinen Kopf packte, damit er auch ja am Hals blieb, während der Zahnarzt Bruchstücke meines Weisheitszahns aus dem Kieferknochen riss und quer durch den Raum schleuderte. Es erforderte mich kaum die Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes, um zu erschließen, was da wohl meinen Handrücken unter Dauerbeschuss nahm…
Nach diesem traumatischen Ereignis begann dann das bekannte Leiden, das mir immerhin die Gewissheit verschaffte, vor Vampiren sicher zu sein, denn an etwas, das so widerlich schmeckt wie mein Blut, haben sie mit Sicherheit kein Interesse. Apropos Untote: Da ich ein paar Tage außer Gefecht und somit im wahrsten Sinne dazu verdammt war, Fernseh zu schauen, hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, das deutsche Fernsehprogramm mal genauer unter die Lupe zu nehmen (als hätte ich nicht schon genug gelitten). Und aus unerfindlichen Gründen scheint jeden Abend irgendwo ein Film über eine Zombie-Apokalypse zu laufen.
Da die Antwort auf die Frage, wer sich so einen Müll anschaut, in Person eines angeschlagenen, seit kurzem weisheitszahnlosen, belustigenden, sich gezwungenermaßen vorübergehend nur von Suppe und Brei ernährenden und daher die Beißkraft der Zombies neidisch bestaunenden Gelegenheitsbloggers vor dem Fernseher saß (genauer gesagt mehr lag als saß), erübrigte sich das Raten. Dafür beschäftigte mich umso mehr das Rätsel, was für kranke Wesen solche Filme drehen. Das ganze Leben damit zu verbringen, Zombiestreifen zu drehen, ist wahrlich eine Horrorvorstellung.
Dies liegt auch daran, dass die Zombielogik zum Haareraufen ist. Das Konzept, die Opfer zu fressen und sie gleichzeitig in Mitzombies verwandeln zu wollen, ist ungefähr so aussichtsreich wie Rasenmäher in der Sahara zu vertreiben oder eine Kondomfabrik im Vatikan zu errichten. Und obwohl alle Noch-Menschen, die den Zombies in die Hände fallen, zerfleischt und bis auf die Knochen verschlungen werden, werden die Untote immer mehr. Wie geht das denn? Aber ich schätze, dass man bei Zombie-Apokalypse-Filmen nicht nach tieferer Logik suchen sollte.
Intellektuell wertvoller erschienen mir auch andere Vertreter des Horror-Genres wie die Saw-Filme, von denen einige in den letzten Tagen ausgestrahlt wurden, nicht zu sein. Diese Kombination von dümmstmöglichen Charakteren mit kreativstmöglichen Mordmethoden ergibt eine einzigartige Mischung aus Film gewordenem Sadismus und erheiternder Komik. Das Beste ist ja, dass Wikipedia zufolge Jigsaw schon im dritten Teil stirbt und die Reihe trotzdem sieben Teile umfasst. Na, wenn das mal keine Ausschlachtung im wahrsten Sinne des Wortes ist. Ich vermute ja, dass es sich bei Saw ebenso wie bei der Bild-Zeitung in Wirklichkeit um ein Produkt der Satire handelt, denn es ist schwer zu glauben, dass die zugrunde liegende Dämlichkeit echt ist. Was könnte sonst der Zweck der Filme sein, wenn am Ende ohnehin alle sterben? Spannung kommt mit diesem Wissen zumindest bei mir keine auf.
Ach, habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mich Jigsaws Puppe entfernt an Merkel erinnert? Von den Mundpartien her könnten sie Zwillinge sein. Marionettenfalten haben jedenfalls beide.
Der vermeintlich seriöse Teil des Fernsehprogramms lieferte dann gleich auch noch einen Krimifilm mit Überlänge, nämlich “Die Jagd nach EHEC”, der mich im Laufe der Handlung immer mehr an eine gewisse Komödie namens “Die Jagd nach dem Phantom” erinnerte (Kotatsu rezensierte). Gewisse Parallelen hinsichtlich der nach wie vor andauernden Täterjagd sind gewiss nicht zu leugnen.
Im Übrigen hätte man die Jagd nach EHEC auch als Horrorstreifen verfilmen können, aber “leider” sind Salat, Gurken und Tomaten ja nicht mehr die mutmaßlichen Schuldigen, sonst hätte man prima diese Falle in den Film einbauen können. Diese Parodie kam mir direkt in den Sinn, als ich Saw schaute:
Außerdem konnte ich mich nun, da die ursprünglichen Verdächtigen entlastet worden waren, nicht mehr mit der Aussicht auf “das kleinere Übel” trösten: Denn wenn mich die Wunden im Mund dahingerafft hätten, bevor mich EHEC erwischen könnte, hätte auf meinem Grabstein immerhin nicht “Er starb an einer Gurke” gestanden.
Na gut, ich neige bekanntlicherweise manchmal zu Übertreibungen und Ausschmückungen, wenn es um das Schildern meines Lebens geht (andernfalls wäre es auch verdammt langweilig), und eigentlich habe ich den Eingriff im Vergleich zum letzten Mal wesentlich besser vertragen und die Schmerzen hielten sich in Grenzen. Inzwischen habe ich mich fast vollständig wieder erholt, nur das Chlorhexamed, welches ich als Mundspülung verwenden soll, sorgt etwas für Verwirrung: Während auf der Packung steht, dass es Wunden beim Verheilen helfe, steht auf der Verwendungsanleitung, dass man es nicht bei Wunden anwenden solle. Die Logik ist dermaßen unerschließlich, dass es sinnvoller wäre, wieder über die Zombielogik nachzudenken. Na ja, ich mache einfach mal das, was mir der Zahnarzt gesagt hat…
Noch mal zurück zum Fernsehen: Das Nachmittagsprogamm war dankenswerterweise sehr gnädig mit mir, denn das Lachen bereitete mir an den Wunden doch ziemliche Schmerzen. Dass dies nicht geschah, stellte das bemerkenswert unwitzige Nachmittags-Comedy-Programm von RTL2 sicher (Anime zeigen die inzwischen überhaupt nicht mehr, hm?). Die traurige Wahrheit ist aber leider, dass die US-Comedy-Serien, von denen ich die meisten aufgrund ihrer Ähnlichkeit hinsichtlich der stereotypischen Charkatere und Unkomik gar nicht unterscheiden kann, den deutschen Produktionen immer noch um einiges überlegen sind.
Dass RTL2 dennoch eine gewissen Sinn für Humor aufweist, zeigte übrigens die Abendsendung “X-Diaries – love, sun & fun”, welche meinen kurzen Eindrücken nach – lange erträgt man es nämlich nicht – genau so mies ist wie der Titel es vermuten lässt. Bei solchen Sendungen fragt man sich immer, ob die Produzenten es ernst meinen. Dass dem nicht so ist, bewiesen sie durch das gar nicht so unauffällige Platzieren einer Focus-Ausgabe mit Sarrazin und dem Titel “Verdummen unsere Kinder?” auf der Titelseite im Zimmer eines offensichtlich intellektuell beschränkten Jugendlichen. Dass die Schauspieler dieser “Dokus” allesamt eine gehörige Dämlichkeit und Talent zur Indifferenz aufweisen, dürfte kein Geheimnis sein, aber dass sie sich dermaßen offensichtlich verarschen lassen, ist immer wieder aufs Neue erstaunlich. Danke, RTL2, das war sehr süffisant.
Trotz all der Lästereien über das Fernsehprogramm möchte ich aber nicht verschweigen, dass es durchaus ein paar Sendungen und Filme gab, die mich gut unterhalten haben.
So, das war es dann auch fürs Erste. Mit diesen Eindrücken melde ich mich wieder zurück, in den nächsten Tagen werde ich dann versuchen, noch einiges zu verschiedenen, altbekannten Themen wie Anime oder Games nachzutragen, auf einige Kommentare zu antworten, wieder die Partner-Blogs zu besuchen, und all die restliche Arbeit zu erledigen, die schon längst überfällig ist.
Wir arbeiten bekanntlich zwar langsam, aber immer weiter. Auch wenn wir von Zeit zu Zeit immer mal wieder von der Bildfläche verschwinden, totzukriegen sind wir nicht. Und mit dieser alten Weisheit meldet sich Gintoki zurück zum Dienst! ![]()
PS: Wird bei euch der Home-Button oben links unter dem Header auch verschoben dargestellt? Hm, seltsam…
Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 19. Juni 2011 und abgelegt unter Aus dem Leben, Filme & Serien, KR-Blog, Lästereien, Satire, TV. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Samstag 25. Juni 2011 um 20:36
Willkommen zurück unter den Lebenden. Haben sich ja so einige Spinnenweben angesammelt.
Weisheitszähne draußen? Gut, die Dinger braucht eh kein Schwein.
Fernsehen kacke? Ich sehe seit über einem halben Jahr erfolgreich kein Fernsehen. Meine Serien habe ich so oder so parat und schaue immer wann ich will, meist im O-Ton und ohne Werbung :-)
Das Abitur habt ihr bereits erreicht, wie ich meinen möchte? Ist denn schon ein “Herzlichen Glückwunsch” angebracht? Falls ja, dann herzlichen Glückwunsch.
Und was geht nach dem Abitur? Wie geht es mit dir/euch/dem Blog weiter? Paladin Fenris[Kommentar zitieren]
Sonntag 26. Juni 2011 um 21:57
Nach dem Abitur kommt wohl die Uni. der Blog geht erst mal weiter würde ich sage, zumindest soweit mein Wissenstand ist.
White Skull[Kommentar zitieren]
Freitag 1. Juli 2011 um 13:58
Hm, ich bin ja mal gespannt, ob es hier so lebendig ist/bleibt/wird… ^^
Zum Fernsehen: Ähnlich wie der Paladin kucke ich kein Fernsehen. Das aber schon seit Jahren.
Aktuelle Hypes um irgendwelche Shows bekomme ich nur über dritte mit und lass mich gar nicht erst anstecken.
Dennoch schaue ich gerne Sitcoms wie The Big Bang Theory oder Scrubs, aber eben nie im Fernsehen ^^ Sevie[Kommentar zitieren]