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Kalifornien – die Wüste lebt (Teil 1)

Dienstag 7. September 2010 von Gintoki

CA 22

Ich habe übrigens nicht das Loch oben reingefressen, falls jemand auf die Idee kommen sollte.

Wie ihr wisst, hatte ich in den Ferien das dreiwöchige Vergnügen, die USA, das sympathische Land westlich des großen Teiches kennen zu lernen. Und wie angekündigt habe ich auch einiges zu berichten.

Der Reiseplan sah wie folgt aus:

Woche 1: Milpitas und Region um San Francisco

Woche 2: Tour mit einer Reisegruppe durch (Süd-)West-USA (Kalifornien, Nevada, Arizona)

Woche 3: Wieder Milpitas.

Die erste Woche werde ich in diesem ersten Teil behandeln, über die zweite Woche (mit den interessanten Reisezielen wie Las Vegas, Grand Canyon und Los Angeles) und die dritte Woche, welche ich aber ein wenig vernachlässigen werde, da sie fast nur noch aus privaten Unternehmungen bestand, werde ich dann im zweiten Teil berichten.

Um’s kurz zu machen: Ich bin nicht gerade reisefreudig – sogar eine dermaßen öde und frustrierende Beschäftigung wie zu Hause für das Abitur zu lernen hätte ich der Reise vorgezogen – weswegen ich von den Drahtziehern dieses Auslandseinsatzes, bestehend aus meinem Onkel, meiner Tante (nicht mit uns verwandt, aber enge Freunde der Familie) und meiner Schwester, die ganz dicke miteinander sind und schon zusammen die halbe Welt (Türkei, Australien, Neuseeland, Griechenland und Thailand) besucht haben, kurzerhand gezwungen wurde. Ehe ich mich versah, wurde ich mit den oberflächlichen Begründungen (Auslandserfahrungen sammeln, Englisch verbessern…) vor vollendeten Tatsachen – bestehend aus zwei Mal vier Flugtickets – gestellt. Ganz freiwillig war meine Teilnahme also nicht wirklich.

Zwei Tickets für jede von uns Person waren erforderlich, weil ein Zwischenstopp im London notwendig war, um eine Maschine nach San Francisco zu nehmen. Am deutschen Flughafen stießem wir wieder auf die wie üblich nicht vorhandene Kundenfreundlichkeit. Dem Benehmen der Flughafenmitarbeiter nach hatte entweder gerade jemand die Tollwut ins Land gebracht oder aber sie litten unter einem anderen Typ dieser Krankheit, welche ich spontan mal “Gehalt-ist-nicht-so-toll-Wut” nennen würde.

Am Londoner Flughafen, wo mich zunehmend das Gefühl beschlich, etwas zu Hause vergessen zu haben und die Sicherbestimmungen übrigens noch weitaus strenger sind als an deutschen, hielten wir uns nur wenige Stunden auf, aber ich nutzte diese Gelegenheit, um das allseits bekannte und – wie ich herausfand – völlig unzutreffende Klischee über das englische Essen zu entkräftigen: Das englische Essen ist nicht so schlimm, wie immer behauptet wird. Es ist noch weitaus schlimmer. Um ehrlich zu sein, war es wohl das grauenhafteste Essen, das mir jemals außerhalb eines Flugzeuges untergekommen ist.

Womit wir leider schon beim größten Grauen angelangt wären, denn der Ekel vor der Zwischenmahlzeit, welche aufgrund dessen eher bei einem Zwischenbissen blieb, erschien angesichts der Widerwärtigkeit des Flugzeugfraßes noch wie ein Fünf-Sterne-Menü. Als der Gammel heimtückisch angerollt kam und der beißende Geruch eine qualvolle Übelkeit in mir hervorrief, wusste ich, was ich vergessen hatte: Meine Gasmaske.

Ich dachte immer, es gäbe nichts Abscheulicheres als das Essen auf einem Flugzeug. Doch ich sah mich geirrt. Denn es gibt etwas Schlimmeres: Essen in einem englischen Flugzeug… Am Rande möchte ich noch folgende sieben englische Wörter zu meinen Lieblingswörten erklären: Es sind “no”, “thank”, “you”, “I”, “am”, “not” und “hungry” (Anordnung selbstverständlich rein zufällig). Danke, ihr habt mir das Leben gerettet.

Doch je länger der Flug andauerte – und der von London nach San Francisco ist ziemlich lang – desto heftiger wurde der Gerangel im meinen Verstand darum, ob ich letztendlich das Essen akzeptieren oder den Hungertod sterben solle. Nach einem langen psychologischen Kampf, der meine gesamten mentalen Kräfte erforderte, obsiegte am Ende meine Vernunft und ich entschied mich für den Hungertod.

Nun, das wäre jetzt die heldenfafte Version gewesen. Ab wie so oft ist die Realität nicht so dramatisch und glorreich. Falls sich einige an dieser Stelle schon vom Blog abwenden wollen (”Iiiihhhh, der Gintoki ist so eklig!”): Nein, das soll nicht heißen, dass ich mich doch für den Flugzeugfraß entschieden hätte.  So ekelhaft bin ich nicht. Nein, in Wirklichkeit verbarrikadierte ich mich am Ende des Fluges, als ich mich nicht mehr gegen die Übelkeit wehren konnte, in der Flugzeugtoilette und übergab meinen Mageninhalt, der mich in dieser Menge überraschte, der Kloschüssel. Oh, das war wahrscheinlich auch nicht viel appetitlicher…

Auf meine alten Tage hin scheine ich noch eine ausgeprägte Flugkrankheit entwickelt zu haben. Und als bei der Konsequenz von diesem der Steward auch noch im Gestapo-Stil gegen die Toilettentür hämmerte, weil ich wieder meinen Platz für die bevorstehende Landung einnehmen sollte, hegte ich den großen Wunsch, die Tür aufzureißen, seinen Schädel wiederholt gegen den dreckigen, mit Toilettenpapier überdeckten Toilettenboden zu behämmern, ihn mit meinem Frühstück den Klo hinunterzuspülen und dabei unfeine Dinge über ihn und seine Familie zu sagen. Aber das ging ja nicht, weil ich bekanntlich anderwertig beschäftigt war.

Ja, so ein Blog ist eine prima Sache, um seine dunkelsten Gedanken zu offenbaren.

Aber ich schätze, ihr wollt lieber etwas über Kalifornien lesen als ein weiteres Kapitel von “Die Leiden des alten Gintokis” zu ertragen. Nun gut, dann spare ich mir die restliche Flugzeug-Jammerei, von der leider noch jede Menge vorhanden ist, für den Rückflug auf. Der sollte den Hinflug nämlich noch überbieten. Niemals mit British Airways fliegen, Freunde.

Doch die Strapazen waren auch fürs Erste noch nicht überstanden. Die strengen Sicherheitskontrollen in den USA sind allseits bekannt und wurden ihrem Ruf mehr als gerecht. Nach der daraus resultierenden langen Wartezeit in der Schlange wurde eine kleinliche biometrische Erfassung, bestehend aus den Abdrücken aller Fingern und einem Augenscann, durchgeführt – und das sogar zwei Mal, weil der Computer wohl selbst gemerkt hatte, was für einen Schwachsinn er aufzeichnen sollte und keine Lust hatte. Gut möglich ist aber auch, dass ich jetzt zwei Mal in der Anti-Terror-Datei stehe.

Man sollte meinen, dass man mit deutschen Pässen ein wenig leichter ins Land kommen sollte, aber diese naive Illusion wurde jäh zerstört, als man uns auch nach der nervtötenden Prozedur nicht passieren ließ, sondern in einen Warteraum schickte. War mein imperialistisches Vorhaben aufgeflogen? Noch seltsamer wurde es, als ich bermerkte, dass man die deutschen Gäste anscheinend systematisch ausgefiltert hatte (okay, eigentlich waren es nur wir vier plus eine ältere Dame, aber ein Zufall konnte das nicht sein!). Was sollten die Amis schon gegen uns haben? Na gut, jetzt mal abgesehen von unseren bewaffneten Wandertagen im vorigen Jahrhundert.

Jedenfalls hatte man uns nicht abgeführt, um auf alte Freundschaften anzustoßen, sondern um von uns Angaben über Gründe unsere Besuches und so weiter zu nehmen, welche Onkel und Tante nach einigen Verständnisschwierigkeiten schließlich mit ihrem gammligen Denglisch liefern konnten (ich selbst wusste da ja immer noch nicht, was ich eigentlich in diesem Land sollte). Somit erfuhr ich, dass mein Onkel Verwandte in den USA hat. Die ältere Dame aus Deutschland wiederum wollte ihre Tochter besuchen. Den Behörden scheinen Deutsche aber irgendwie suspekt zu sein und so befanden sie es für nötig, die von uns angegebenen Telefennummern zu wählen, um zu überprüfen, ob die zu besuchenden Personen auch wirklich existieren und Besuch erwarten. Ich kann diese strengen Vorsichtsmaßnahmen uns gegenüber verstehen. Es gibt wahrscheinlich Tausende Deutsche, die illegal in die USA einwandern. Besonders beliebt dürfte wohl die Grenze zwischen den beiden Ländern sein, welche schon nach einer kurzen Schwimmeinheit überwunden werden kann.

Schließlich stellten die Behörden mit großer Verdutzung, welche sie geschickt überspielten und sich nicht anmerken ließen, fest, dass unsere Angaben stimmten. Nach dieser riesigen Zeitverschwendung wurden wir endlich entlassen.

Ich könnte jetzt auch noch etwas über den Zoll erzählen, aber das erspare ich euch mal. Mit dieser zugegebenermaßen ziemlich lang ausgefallenden Erzählung möchte ich verdeutlichen, dass man den genauesten Eindruck von einem Land schon kurz nach der Ankunft gewinnt. Im Klartext: Ja, die Amis sind ein unheimlich paranoides Völkchen.

Und Paranoia wird dann besonders schlimm, wenn sie gepaart mit Hochnäsigkeit auftritt. Letzteres als weit verbreitete Eigenschaft der US-Amerikaner (soll aber keine Pauschalisierung sein) wird besonders deutlich, wenn man zum Beispiel mal China zum Vergleich heranzieht. Wenn ich in meiner Heimat (die meisten Leser wissen ja, dass ich aus China stamme) erzähle, dass ich aus Deutschland komme, dann ruft das als Reaktion im ersten Augenblick eine gewisse Ehrfurcht und dann Hochachtung hervor. Deutschland sei sehr fortschrittlich, habe einen hohen Lebensstandard und baue tolle Wagen, werden die meisten Chinesen sagen. In den USA rufe ich mit der Antwort auf die Frage, woher ich denn käme, nur ein Erstaunen (wohl aufgrund meines asiatischen Aussehens) bis Entsetzen und einen darauffolgenden mitleidigen Blick hervor. Nun gut, wenn die einzige deutsche Person, die ich im Fernsehen zu Gesicht bekomme, Angela Merkel wäre, dann würde ich wohl auch so gegenüber Deutschen reagieren. Diese Witzfigur ruft international Mitleid gegenüber uns hervor – sowohl in den USA als auch in China. Leider zurecht.

Dennoch: Ein gewisses Überlegenheitsgefühl von den Amis kann man meiner Meinung nach nicht von der Hand weisen. Eine nationalistische Tedenz ist jedenfalls unübersehbar, stehen doch überall amerikanische Flaggen. Wenn irgendwo ein ödes Fleckchen ist, sei es nun der Garten oder die Wüste, dann wird da einfach noch eine Flagge hingepappt.

Nun muss ich zugeben, dass ich mich vor allem bei der ersten Woche gar nicht mehr so genau erinnern kann, wo ich alles gewesen bin. Selbst habe ich übrigens keine Fotos geschossen, das wollte ich vor allem meinem Onkel überlassen, der ein leidenschaftlicher Hobby-Fotograph ist. Der Plan, diese Fotos als Erinnerungsstützen zu verwenden, geht allerdings nicht auf, weil meine Schwester es doch tatsächlich geschafft hat, versehentlich alle Fotos (!) von der Kamera meines Onkels zu löschen, was selbst für diesen unglaublich ungeschickten Tunichtgut und Anti-Midas (alles, was sie anfasst, geht kaputt) eine beachtliche Leistung darstellte. Zum Glück haben meine Tante und meine Schwester auch noch einige Fotos geschossen, so dass ich zumindest noch einige Bilder von der ersten Woche übrig habe.

Ich werde übrigens keine Fotos nehmen, auf denen wir abgebildet sind. Also frag mich nicht wieder, ob es sich bei irgendeiner Göre, die zufällig im Hintergrund durchs Bild läuft, um meine Schwester handelt, Wuhu! ;)

Nun endlich zu Kalifornien:

Generell ist zu sagen, dass es im Westen der USA nur im Winter regnet, die meiste Zeit des Jahres herrscht also Dürre, weshalb die Vegetation begrenzt und große Flächen der Natur mit gelbem Gras überdeckt ist. Tatsächlich ist nur ganz selten mal eine Wolke am Himmel zu sehen, Kaliforniens Ruf, einen strahlend blauen Himmel zu haben, entspricht also der Wahrheit.

Ich würde euch an dieser Stelle gerne ein paar Bilder liefern, aber die hat meine Schwester ja gelöscht. Da ich weiß, dass sie manchmal heimlich den Blog liest, möchte ich euch darauf hinweisen, dass ihr euch mit Unmutsbekundungen gegenüber ihrer Person nicht zurückzuhalten braucht (immer feste druff!). Danke.

Strahlender Sonnenschein bedeutet aber keineswegs hohe Temperaturen, insbesondere abends, nachts und morgens ist es ziemlich kalt. Generell empfand ich Kalifornien als erstaunlich kühl, was meinen Erwartungen stark widersprach. Der Mythos vom immer warmen Kalifornien sei hiermit widerlegt. Zu dieser Zeit war es sogar in Deutschland wesentlich wärmer (siehe Hitzejammer).

Gewohnt haben wir – wie schon angesprochen – in Milpitas, genauer gesagt in einer Zweitwohnung von Verwandten meines Onkels. Die Bude demonstrierte eindrucksvoll, wie schlecht die Schalldämpfung von amerikanischen Häusern ist und ich musste ständig aufpassen, mich nicht mit Kühlschrank-Lebensmitteln aus dem Jahre 2007 zu vergiften, aber ansonsten war der Schuppen ganz annehmbar.

Im Übrigen kann ich schon vorwegnehmen, dass ich in den USA kaum Englisch gesprochen habe. Es war kaum nötig, weil ich mit Chinesisch ohnehin weiter gekommen bin als mit Englisch. Ich hatte schon gehört, dass in Kalifornien viele Chinesen leben sollen, aber mit so vielen Asiaten hatte ich nicht einmal ansatzweise gerechnet. Einer groben Zählung von mir nach sind in Kalifornien (zumindest in den Städten, in denen ich war) von zehn Menschen fünf Asiaten, drei Mexikaner, einer dunkelhäutig und nur einer weiß. Wikipedia zufolge liegt der Asiaten-Anteil in Milpitas bei 52%, somit dürfte ich mit einer Schätzung ziemlich gut liegen.

Aber bevor ich euch hier noch zu Tode langweile mit diesem unbeabsichtigten Versuch, den Längenrekord von KR-Artikeln zu knacken,wird es Zeit für ein paar visuelle Eindrücke.

CA 01KR Street View: Milpitas

CA 02Keinen Schimmer, wem der Schuppen gehört, aber was Google darf, dürfen wir schon lange. Die werden schon nichts dagegen haben, dass wir sie ins Internet stellen…

Wie ihr seht, ist Milpitas genau so eine kleine Vorstadt, wie man sie so häufig in den amerikanischen Filmen sieht. Die Leute sind alle recht wohlhabend und ziemlich spießig, also ganz den Klischees entsprechend.

Und wo ich schon mal dabei bin, kann ich gleich ein weiteres Klischee bestätigen: Die Amis fahren tatsächlich diese hässlichen Jeeps. Keine Ahnung, warum sie auf diese übergroßen Dreckschleuder stehen, aber der Ami ist nun mal ein unbegreifliches Wesen.

Milpitas ist im wahrsten Sinne öde, womit die einzige Beschäftigungsmöglichkeit für die Menschen dort aus dem Züchten von Kakteen bestehen dürfte. Da wir dies aber nicht als Option für uns betrachteten, machten wir uns auf, um das ebenso wenig aufregende Silicon Valley ein wenig zu erkundigen. Nun gut, immerhin muss man der Region zugute halten, dass es eine frei empfangbare WLAN-Internetverbindung gibt (welche allerdings ziemlich lahm ist).

Zudem ist noch zu erwähnen, dass die Preise für Videospiele und Elektronikartikeln fantastisch sind, aber auf die Ausbeute werde ich ganz am Ende noch zu sprechen kommen.

CA 03AMD

Aber zurück zu unserer Besichtungstour: Wir besuchten zahlreiche Unternehmenssitze wie die von AMD, Google oder Yahoo. Die meisten von ihnen waren aber entweder gerade nicht zur Besichtung freigegeben oder aber ließen (übrigens ebenso wie Warenhäuser) keine Fotos zu, wohl aus Angst vor Wirtschaftsspionage. Fotos waren somit nur von Außen möglich. Wie ich vorhin schon sagte: die Amis sind so ein bisschen paranoid.

CA 15Yahoo.

CA 16Google (welch Überraschung).

CA 17Nein, geschmackssicher war Google noch nie.

Vor allem die Haltung von Google erschien ziemlich lächerlich, denn kaum waren wir nach der Abweisung um die Ecke gebogen, schon sahen wir Dutzende von diesen beschissenen Street-View-Wagen an der Tankstelle tanken und durch die Straßen ziehen. Keine Fotos schießen lassen, aber selber alles knipsen.

Intel wiederum verfügt sogar über ein eigenes Museum, in dem man auch Fanartikel dieser Firma erwerben. Nun stellt sich für jeden mit einem gesunden Menschenverstand zurecht die Frage, wer denn so was kauft, aber na ja, heutzutage findet ja alles einen Abnehmer.

Nachdem das Aufsuchen der Unternehmenssitze also recht fruchtlos verlief, nahmen wir die Stanford University ins Ziel, welche im Univertäts-Ranking den zweiten Platz nach Havard einnimmt. Nun gut, ich gebe zu, dass mich die Uni nicht sonderlich interessiert, aber da ja ohnehin nicht viele Fotos von der ersten Woche übrig geblieben sind, gibt es nun ein paar Bilder vom protzigen Standford Campus.

CA04Was gehört wohl zur Grundausstattung jeder Uni? Genau, ein Turm.

CA05Lemming-Perspektive.

CA 06Habe ich euch schon erzählt, dass ich an schlimmer Höhenangst leide?

Hinzu kommen noch völlig triviale Einrichtungen wie eine pompöse Kirche und Springbrunnen. Man weiß ja sonst nicht, was man mit dem ganzen Geld anfangen soll.

CA 07Und ich dachte, Stanford-Studenten hätten das Beten vor den Prüfungen nicht nötig.

Aber mein persönliches Highlight ist ja immer noch deren Museum.

CA 08Blech.

CA 09Steine.

CA 10Holz.

CA 11Noch mehr Blech.

CA 12Kopfschmerzen.

CA 13Gintoki.

Wie seht, blieb mir absolut nichts erspart. Prinzipiell ist Stanford also genau so wie eine deutsche Bildungseinrichtung, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht akut einsturzgefährdet ist und genug Selbstironie aufweist, um eine Skulptur names “The Gates of Hell” auf den Campus zu stellen.

CA 14Und wo sind die Contractors?

Ich versuchte, dem Hell’s Gate gut zuzureden, in der Hoffnung, dass es Hei dann freigeben (meiner 3500-Wörter-Theorie nach ist er ja immer noch da drin) und eine dritte Staffel von Darker Than BLACK ermöglichen würde. Leider ohne Erfolg. Ich hab’s versucht, wirklich!

Ansonsten gibt es zur ersten Woche, die, wie ihr sehen könnt, wirklich unspektakulär verlief, nicht mehr viel zu erzählen.

CA 18Ein Konzertbesuch stand noch auf dem Plan. Ich habe gut geschlafen.

Das Orchester von San Francisco war der Einschätzung meines Onkels nach aber ohnehin ziemlich mies, weshalb ich wohl nichts Weltbewegendes verpasst habe.

Aber apropos San Francisco, diese Stadt habe ich ja ganz vergessen. Natürlich haben wir sie auch besucht, vorher hielten wir aber noch kurz am Meer.

CA 20Wenn ihr ganz angestregt guckt, könnt ihr vielleicht White Skull am anderen Ende des Ozeans erkennen. Japan ist ja nicht so weit.

CA 19Schön ist das Wetter nicht.

CA 21Wirklich nicht.

Von wegen Sommer, Sonne, Strand in Kalifornien! Wie schon angesprochen ist es insbesondere in der Region um San Francisco ziemlich kalt. So wie ich das verstanden habe, kommt wohl die ganze kalte Luft (in Nebelform) von Alaska rüber.

Und wo wir schon bei San Francisco sind, darf natürlich die Golden Gate Bridge nicht fehlen.

CA 22Ich habe übrigens nicht das Loch oben reingefressen, falls jemand auf die Idee kommen sollte.

Das Klima in der Region ist schon ziemlich seltsam: Einerseits ist es staubtrocken und andererseits neblig ohne Ende. Als Resultat vom Letzteren ist die Brücke teilweise gar nicht zu sehen. Überaus nervig sind auf dieser übrigens die Radfahrer, die in großen Gruppen Amok rasen.

Für Fahrzeuge ist wiederum San Francisco selbst eine große Tortur. Die Stadt wurde auf Hügeln errichtet, die zum Teil ziemlich steil sind und besonders dann Nervosität hervorrufen, wenn eine rote Ampel oder ein Stoppschild kommt, so dass eine ganze Reihe von Autos fast senkrecht auf der Steigung halten muss. Man muss wohl schon ein hervorragender Autofahrer sein, um in der Stadt zurechtzukommen.

CA 23Weiß leider nicht (mehr), wie der Hügel hier heißt.

Dieser Hügel war auch der erste Ort in den USA, an dem ich eine deutsche Reisegruppe traf. Genauer gesagt handelte es sich eine Gruppe von Jugendlichen, welche sich so aufführten, wie viele von ihnen es hier bei uns eben auch tun. Auf den engen Treppen war ein robuster Körpertakt mit diesen pubertären Affen, die sich in einem kindischen Gerangel befanden, leider nicht zu vermeiden. Zwar entschuldigte man sich mit einem “Sorry” bei mir, aber dieser Schubser war nicht mal mein eigentliches Problem. Ich schäme mich nur immer wieder ein bisschen, wenn ich im Ausland vom Weiten Vollasis erkenne und dann, wenn ich näher dran bin, erkenne, dass sie Deutsch sprechen. Nicht mal im Urlaub hat man vor den Deppen von Zuhause Ruhe. Wenn sich noch mehr deutsche Urlauber so aufführen wie die, dann kann ich die mitleidigen Blicke von den Amis verstehen.

Zum Abschluss der ersten Woche besuchten wir auch noch die Berkeley Universität, ihres Zeichens Dritte im Ranking. Nein, mir bleibt auch wirklich gar nichts erspart. Meinem Onkel aber auch nicht wirklich, denn dies war der Ort, an dem sich das Unglück ereignete. Meine Schwester wollte die Fotokamera meines Onkels ausprobieren, löschte aber nicht nur ihr Testfoto, sondern gleich den ganzen Speicher samt allen Fotos von der ersten Woche, die mein Onkel geschossen hatte. Tja, das kommt davon, dass man – anders als meine Wenigkeit – keine chinesischen Schriftzeichen gelernt hat. Dann kann es schon mal vorkommen, dass man die Option, alle Fotos zu löschen, auswählt. Analphabetin.

CA 24So ein Campus-Turm scheint zurzeit mächtig in Mode zu sein.

CA 25Das Tor zur Hölle. Ach ne, das war ja das andere.

So, das war’s dann für’s Erste, womit ich den Längenrekord um knapp 300 Wörter verpasst haben dürfte (den hält wohl immer noch die Mammuth-Erläuterung zur letzten Folge der zweiten Staffel von Darker Than BLACK). Ich hoffe, dass irgendjemand den nichtsdestotrotz recht ausschweifenden Artikel bis hierhin durchgehalten hat (interessieren meine Leidensgeschichten überhaupt jemanden? O_o) und verspreche, dass im zweiten Teil interessantere Orte und schönere Fotos (die meine Schwester noch nicht löschen konnte) kommen.

Unter anderem kommen dann Berichte zu Sehenswürdigkeiten wie Las Vegas, Grand Canyon und Los Angeles bzw. Hollywood.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 7. September 2010 und abgelegt unter Aus dem Leben, Lästereien, Rund um die Welt, Satire, USA, Urlaub. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.



4 Kommentare über “Kalifornien – die Wüste lebt (Teil 1)”

  1. ZakuAbumi schrieb:

    Großes Popcornkino, weiter so.
    Jeder Urlaub scheint deine Abstinenz angesichts solcher Leidenserfahrungen mehr zu rechtfertigen.  [Kommentar zitieren]

  2. PaladinFenris schrieb:

    Gut und mit scharfer Zunge geschrieben. Mehr davon bitte.

    Wie kann man einfach so die Fotos löschen? Das will mir nicht in den Kopf. Strafe muss sein. DAU an Fotokameras geht mal gar nicht (no offense).  [Kommentar zitieren]

  3. DaRuX schrieb:

    Die Sicherheitsvorkehrungen sind ja krass. Mit Augenscan… Und dann auch noch genau den Grund des Aufenthalts prüfen.. Bestimmt weil du Chinese bist aber behauptest aus Deutschland zu kommen. Da muss ja was nicht stimmen. Ich würd da auch doppelt und dreifach prüfen :P
    Deutsche Assis sind grundsätzlich in jedem Land von weitem erkennbar. Ich schäme mich auch jedesmal wieder. Zum Glück integriere ich mich selbst meistens so gut, dass mich niemand mit diese Leuten in Verbindung bringen würde.  [Kommentar zitieren]

  4. Gintoki schrieb:

    Erst mal Danke für die Resonanz, ich hatte schon befürchtet, dass der Bericht unerträglich lang geworden ist.

    @ Zaku

    Großes Popcornkino, weiter so.

    Danke.

    Jeder Urlaub scheint deine Abstinenz angesichts solcher Leidenserfahrungen mehr zu rechtfertigen.

    Nun, der Gedanke, später darüber jammern zu können, ist schon gewissermaßen tröstend. Und ein paar Jammereien habe ich noch in petto.

    @ Spambot

    Einfach schnell und mit Spaß Englisch lernen ( kostenlos)

    Da hat es doch tatsächlich ein Bot durch den Spamfilter geschafft. Wir sind verloren!

    @ Paladin Fenris

    Gut und mit scharfer Zunge geschrieben. Mehr davon bitte.

    Danke.

    Wie kann man einfach so die Fotos löschen? Das will mir nicht in den Kopf. Strafe muss sein. DAU an Fotokameras geht mal gar nicht (no offense).

    Wir haben sie bereits dazu verdonnert, jeden Tag ein paar Schriftzeichen zu lernen, um ja nie wieder einen Analphabeten-Amok durchzuführen.

    @ DaRuX

    Und dann auch noch genau den Grund des Aufenthalts prüfen.. Bestimmt weil du Chinese bist aber behauptest aus Deutschland zu kommen.

    Ich glaube, daran liegt es noch nicht mal, da ja auch eine andere deutsche Person ausgefiltert worden ist. Und da wir ja eine Maschine von London aus genommen haben, dürften ja nicht so viele Deutsche an Bord gewesen sein.

    Deutsche Assis sind grundsätzlich in jedem Land von weitem erkennbar. Ich schäme mich auch jedesmal wieder.

    Ich denke mir ja auch immer wieder: “Wenn die wüssten, dass ich sie verstehen kann.” ^^

    Zum Glück integriere ich mich selbst meistens so gut, dass mich niemand mit diese Leuten in Verbindung bringen würde.

    Gut so, polier unseren Ruf auf.   [Kommentar zitieren]

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