Musik-Tipp: Keane – “Night Train”
Donnerstag 13. Mai 2010 von Gintoki

Keane’s neues “Album” Night Train
So, ich komme auch mal wieder zum Bloggen und da ich schon seit langem vor habe, etwas zu meiner Lieblingsband “Keane” zu schreiben, trifft es sich sehr gut, dass in den letzten Tagen eine neue CD der britischen Gruppe erschienen ist, welche ich nun einer Bewertung unterziehen werde. Musik ist natürlich ein sehr geschmacksabhängiges Thema und mir ist auch bewusst, dass die meisten von euch möglicherweise mit meinen Favoriten nicht viel werden anfangen können, aber ich möchte Keane zumindest kurz empfehlen. Wer weiß, vielleicht finden ja einige Gefallen.
Bei der neuen CD “Night Train” handelt es sich genau genommen nicht um ein vollständiges Album, sondern um eine EP (Extended Play), die vom Umfang her zwischen Single und Album anzusiedeln ist und den Zeitraum bis zum nächsten Album überbrücken soll. Night Train weist 8 Tracks auf, nämlich die folgenden:
- House Lights – 1:23
- Back in Time– 3:52
- Stop for a Minute (feat K’naan) – 4:06
- Clear Skies – 4:53
- Ishin Denshin (You’ve Got to Help Yourself) (feat Tigarah) – 3:56
- Your Love – 4:36
- Looking Back (feat K’naan) – 3:46
- My Shadow– 4:49
Von lins nach rechts: Pianist Tim, Schlagzeuger Richard und Sänger Tom
Aber bevor wir uns dem aktuellen Werk Night Train widmen, nehmen wir die Band sowie ihr bisheriges Schaffen noch mal kurz unter die Lupe:
Die britische Band aus dem beschaulichen East Sussex in Ostengland setzt sich aus dem Trio Tom Chaplin (Sänger), Tim Rice-Oxley (Keyboard) und Richard Hughes (Schlagzeug) zusammen. Jesse Quinn (Bass) ist der Vierte im Bunde. Zwar ist dieser nur inoffzielles Band-Mitglied, aber seit dem dritten Album ständiger Begleiter des Trios. Keane ist von der Musik-Genre her am ehesten dem Alternative Rock zuzuordnen.
Die bisherige Laufbahn von Keane könnte abwechslungsreicher nicht sein. 1995 als von Gittaren dominierte Band gegründet, gelang ihnen erst der Durchbruch, nachdem Sänger und Gittarist Dominic Scott die Gruppe verließ. Notgedrungen mussten sie nämlich auf das Klavier als Hauptinstrument und auf Tom als Sänger umstellen – Glücksgriffe, wie sich später herausstellen sollte.
Randnotiz 1: Wusstet ihr übrigens, dass Chris Martin, Sänger des heutigen Coldplays, mal Zimmerkamerad von Tim Rice-Oxley während des Studiums an der University of London war? Tim stellte Überlegungen an, seine neue Band “Coldplay” zu nennen, wurde aber von Chris Martin gebeten, ihm den Namen für eine eigene Band zu überlassen. Da Tim ohnehin dazu tendierte doch lieber einen weniger deprimierenden zu nehmen, gab er den Namen an Chris Martin ab. So wurde also quasi aus dem “alten Coldplay” Keane und Coldplay widerum bekam den Namen von Keane!
Auch bei den Alben von Keane sind immer wieder große Veränderungen festzustellen:
Hopes and Fears (2004)
Mit dem Debüt-Album “Hopes and Fears” gelang Keane, der “Gittaren-Band ohne Gittare”, der große Durchbruch. Hopes and Fears weist zwar einen sehr simplen Stil auf – schließlich bestand die Besetzung nur aus Tom, Tim und Richard (der Bass kam übrigens vom Computer) – überzeugt aber durch harmonischen Piano-Rock und melancholische, gefühlvolle Balladen. Ein schönes, klassisch gehaltenes Album!
Besonderen Stellenwert haben bei mir insbesondere der erste Titel “Somewhere Only We Know” sowie das letzte Lied “Bedshaped”, welches auch traditionell den Abschluss jedes Keane-Konzerts darstellt und besonders in der Live-Version, an dem das Publikum beteiligt ist, äußerst imposant ist.
Piano-Rock von Feinsten und jede Menge Energie.
Highlights: Somewhere Only We Know, Bedshaped
Under The Iron Sea (2006)
Keanes zweites Album unterscheidet sich atmosphärisch stark vom Vorgänger, denn mit dem Erfolg kamen auch Probleme (Kritik, Druck), die negative Gefühle erzeugten, welche sich auch in der Musik widerspiegelten. “Under The Iron Sea” ist düster und noch melancholischer gehalten als “Hopes and Fears”. Themen wie Krieg, gescheiterte Beziehungen und Freundschaften und Zukunftängste werden aufgegriffen. War das Klavier noch das prägende das Instrument im ersten Album, so scheint nun das mitunter düster klingende Schlagzeug eine dominantere Rolle einzunehmen.
In dieser Phase stand die Band am Scheideweg, denn nicht nur Streit gefährdete das Fortbestehen von Keane, sondern auch die Alkohol- und Drogenprobleme von Tom, welche wohl die wenigsten bei dem Sänger vermutet hätten. Irgendwann beschloss Keane einvernehmlich, die Reißleine zu ziehen, denn so konnte es nicht mehr weitergehen. Sie brachen die Welt-Tournee ab, damit Tom sich einer Therapie unterziehen konnte.
Trotz der negativen Stimmung dieses Albums ist es für mich jedoch nach wie vor unerreicht. Es heißt, dass manche Künstler ihre besten Werke in den Phasen persönlicher Krisen kreieren. Aber obwohl “Under The Iron Sea” jede Menge tolle Songs enthält, wünsche ich mir natürlich auf keinen Fall so eine Zeit für die Band zurück.
Düster und dennoch wunderschön: Under The Iron Sea
Highlights: Is It Any Wonder, Atlantic, Nothing In My Way, A Bad Dream, Crystal Ball
Randnotiz 2: Während der besagten Therapie lernte Tom den für Eskapaden berüchtigen Pete Doherty kennen und eine höchst ungewöhnliche Freundschaft war geboren. Sie traten auch einmal gemeinsam in einer Talkshow auf und performten zusammen “Karme Chameleon”. Das Ergebnis ist hier zu bestaunen. Also zumindest bei einem scheint die Therapie nicht so wirklich angeschlagen zu haben… (der soll echt clean sein? O_o)
Perfect Symmetry (2008)
Mit dem Beginn dieser Zeit waren die Probleme von Keane Vergangenheit: Tom hatte seine Sucht in den Griff bekommen (und nebenbei noch eine Diät durchführte) und auch die Harmonie innerhalb der Band war zurückgekehrt. Dies ist – so bin ich mir sicher – nicht zuletzt auch die positive Wirkung vom Bassisten Jesse Quinn zurückzuführen, der Keane fortan unterstützte.
Auch stilistisch vollzog die Band eine weitere Veränderung. Tom fand quasi zurück zu den Wurzeln, als er neben dem Gesang wieder das Gittarenspielen übernahm – immerhin hatte er nämlich damals als Gittarist bei Keane angefangen. Musikalisch wird “Perfect Symmetry” nach Aussage der Band vom Stil der 80er-Jahre geprägt, wodurch das Album anfangs sehr gewöhnungsbedürftig klingt.
Es kommt meiner Meinung nach nicht an den Vorgänger heran, bietet aber wieder ein paar tolle Lieder. So ist das namengebende Lied “Perfect Symmetry” eines meiner absoluten Lieblings-Songs. Die Texte beschätigen sich diesmal unter anderem mit Krieg und Religionen, wobei ich mich sehr gut mit der Haltung in den Texten von Keane identifizieren kann.
eingebunden mit Embedded Video
Highlights: Spiralling, Perfect Symmetry, Black Burning Heart
Night Train (2010)
So, jetzt hatten wir aber genug Rückblick und es wird Zeit, sich noch mal mit der neuen EP zu befassen. Wie schon erwähnt ist es kein vollständiges Album, sondern eher eine Brücke zum nächsten, an dem Ende des Jahres gearbeitet werden soll.
Stilistisch ist Night Train schwer einzuordnen, denn die EP ist sehr experimentell gestaltet worden und greift viele Elemente aus der gesamten Laufbahn von Keane auf. Darüber hinaus sind an 3 Stücken auch andere Sänger beteiligt und ein weiterer Song wird von Tim, der ansonsten für das Keyboard verantwortlich ist, vorgetragen.
Schauen wir uns die Trackliste noch mal genauer an:
1. House Lights – 1:23
Ein kurzes Intro ohne Gesang, das ziemlich an das dritte Album “Prefect Symmetry” erinnert.
2. Back in Time– 3:52
Der Name ist Pogramm, denn “Back In Time” ist ein alter Song von Keane, der sogar noch aus der Zeit vor “Hopes and Fears” stammt, als Keane noch eine Gittaren-Band war. Auch wenn ich ein bisschen die Piano-Klänge vermisse, gefällt mir das Lied vor allem ab 2:00 ausgesprochen gut. Interessant, noch mal den alten Stil von Keane zu hören!
3. Stop for a Minute (feat K’naan) – 4:06
eingebunden mit Embedded Video
An dieser Stelle möchte ich erst mal mitteilen, dass ich Youtube mit seiner Länderbeschränkung hasse.
Und nun zum Song: Im Vorfeld war ich sehr skeptisch, als Keane das Vorhaben äußerte, mit einem Rapper zusammen zu arbeiten. Dass die Band sehr vielseitig ist, hat sie bereits bewiesen, aber würde Rap wirklich zu ihr passen? Nun, ich bin zwar kein großer Rap-Fan, aber K’naan konnte mich auch mit seiner eigenen Musik schnell überzeugen. Somit ist dies Win-Win-Situation für mich, da einerseits ein ordentlicher Song entstanden ist und ich andererseits auf K’naan gestoßen bin. Dass der poetische Rapper auch den neuen WM-Song “Wavin’ Flag” singen darf, ist auf jeden Fall berechtigt.
Das Zusammenspiel zwischen Keane und K’naan ist bei “Stop For A Minute” zwar nicht ganz so gut wie bei “Looking Back”, dennoch kann sich das Ergebnis hören lassen. Es ist nichts Episches, verfügt aber dennoch über sehr eingängie Melodie. Experiment geglückt!
4. Clear Skies – 4:53
Ein weiterer Song, den ich vom Stil her eher den alten Gittaren-Zeiten von Keane zuordnen würde. Als ich den Song zum ersten Mal hörte, fand ich ihn etwas eintönig, doch nach einigen Malen offenbarten sich mir die zahlreichen Feinheiten, die dieser Track tatsächlich aufweist. Inzwischen hat sich der Song schon zu einer meiner Favoriten gemausert. Speziell der Refrain hat es mir angetan. Wirklich schöner, träumerischer Song!
5. Ishin Denshin (You’ve Got to Help Yourself) (feat Tigarah) – 3:56
Diesen Song hingegen habe ich auch nach mehrmaligem Hören nicht so recht “verstanden” – was zugegebenermaßen aufgrund meiner fehlenden Japanisch-Kenntnisse auch schlecht möglich ist. Fräulein Tigarah aus dem fernen Osten hat schon bei einigen Soundtracks der FIFA-Spiele mit ihrem chaotischen “Funk Style” bei mir für Angst und Schrecken gesorgt und so war die Bekanntgabe dieser Zusammenarbeit ein Schock für mich.
Zwar machen weder Keane noch Tigarah etwas Ausgefallenes, aber der Song ist und bleibt sehr komisch… (mal ehrlich, was soll das sein? O_o)
6. Your Love – 4:36
Titel 6 von Night Train nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als dass dieser nicht vom üblichen Sänger Tom, sondern von Keyboard-Spieler Tim gesungen wird. Tatsächlich dürfte es sich um einen Song nach Tims ganz eigenen Vorstellungen handeln, denn das Lied erinnert sehr stark an die 80er-Jahre.
Tims Stimme gefällt mir nicht ganz so gut wie Toms, dennoch ist “Your Love” ein absolut solider Song.
7. Looking Back (feat K’naan) – 3:46
Habe ich schon erwähnt, dass am Sonntag Rocky läuft? ^^
Man mixe Rocky, Keane und Rap und schaue gespannt, was herauskommt. In den Kommentaren auf Youtube hat ein User ganz treffend festgestellt, dass man sich im ersten Moment “rockyrolled” vorkommt. Was anfangs etwas albern erscheint, stellt sich jedoch schnell als toller Song heraus. Das adaptierte Rocky-Thema passt genau so gut in den Song wie K’naans Rap-Einlagen, die mir wunderbar gefallen haben. Experiment geglückt!
Sollte Sylvester Stallone irgendwann entschließen, einen weiteren Rocky-Film drehen zu lassen (ach komm, mit 63 geht doch noch was!), dann hätte ich schon einen passenden Titel-Song parat. XD
8. My Shadow– 4:49
Der letzte Song widerum präsentiert sich im alten Hopes-and-Fears-Stil und bietet somit altbewährten Piano-Rock. Tatsächlich ist “My Shadow” auch ein recht alter Titel von Keane, bei dem ich mich auch immer gefragt habe, wieso er nie den Weg auf eine CD geschafft hat. Sehr gute Idee, zum Abschluss diesen Klassiker noch mal aufzugreifen!
Fazit zu Night Train:
Obwohl Night Train nur 7 Songs aufbietet (House Lights stellt nur ein Intro dar), könnte das Angebot kaum breiter gefächert sein. Die EP klingt wie eine Zeitreise durch die Laufbahn der Band. Seien es Gittarenklänge aus der Anfangszeit, Piano-Rock, 80er-Jahre-Stil, Funk oder Rap: Es dürfte für fast jeden was dabei sein.
Night Train ist sehr experimentell, in den meisten Fällen sind die Ergebnisse auch orgentlich geworden, nur mit dem seltsamen Ishin Denshin kann ich mich nicht so recht anfreunden. Etwas schade ist zwar die Tatsache, dass nur 3 “normale Songs” (Clear Skies, Back In Time, My Shadow) vertreten sind, aber bei einer EP ist es klar, dass sie nicht den Umfang eines vollstänigen Albums aufweist.
Alles in allem ist Night Train eine gelungene Überbrückung zum nächsten Album und ich bin sehr gespannt, welcher Stil dieses letztlich aufweisen wird.
So, das war eine Vorstellung der Band Keane sowie ihrer neuen CD “Night Train”. Ich hoffe, dass euch einige Songs gefallen haben. “Night Train” ist frisch erschienen und für ca. 12 Euro erhältlich.
Lasst es mich bitte wissen, falls ein Video nicht (mehr) funktionieren sollte.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 13. Mai 2010 und abgelegt unter Musik. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Sonntag 16. Mai 2010 um 10:15
Yeah ein neues Album.. halt.. doch nich.. mit Rap.. ohne KLavier … OHhhh.
Naja hab überall mal reingehört, aber an das was ich schon hab kommts net ran. Mal abwarten und hoffen. Wuhu[Kommentar zitieren]
Sonntag 16. Mai 2010 um 15:58
Also vom Stil her ähnelt Night Train eher Perfect Symmetry, welches dir ja nicht so gefallen hat. Von daher bin ich mir nicht so sicher, ob die EP deinem Geschmack entspricht. ;)
PS: Habe auch mal die ausstehenden beiden Songs eingefügt (Your Love und Ishin Denshin). Gintoki[Kommentar zitieren]
Sonntag 19. September 2010 um 03:52