Ein Resümee zur Leichtathletik-WM
Mittwoch 26. August 2009 von Gintoki

Die Leichtathletik-WM (kurzer Einschub: Wieso hat die deutsche Sprache mal wieder den mit Abstand schwersten Begriff? Das Wort ist der Horror) in Berlin ist nun beendet und somit sollte ich – auch wenn es vermutlich kaum einen hier interessieren wird – ein kurzes Resümee ziehen. Was war Top, was war Flop?
Sportliche Leistungen
Im Vordergrund einer sportlichen Weltmeisterschaft stehen natürlich immer die Leistungen der Teilnehmer. Drei Weltrekorde weisen auf ein anständiges Niveau hin, auch wenn man sich eingestehen muss, dass die WM ohne den jamaikanischen Wundersprinter Usain Bolt allenfalls sportlich mäßig ausgefallen wäre, zieht man hochklassige Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele aus dem letzten Jahr zum Vergleich heran.
Und ohne die Leistungen der Sportler schmählern zu wollen, war es doch bemerkbar, dass viele Athlethen von Weltklasseformat verletzungsbedingt gefehlt haben bzw. nicht fit waren. Viele haben nicht ihr volles Potenzial abrufen können. Man denke nur an die “unbesiegbare” russische Stabhochspringerin Issinbajewa, für die 5 Meter normalerweise kein Problem darstellen. Aber die Favoritin verzockte sich, stieg erst bei der Höhe von 4,75 Meter ein und schaffte keinen gültigen Versuch.
Besser und vor allem eindrucksvoll machte es dagegen Stabhochsprungkollege Hooker (Australien) bei den Männern. Verletzungsbedingt konnte er unter starken Schmerzen gerade so eben zwei Versuche hinlegen – es reichte für Gold.
Großer Gewinner dieser WM war natürlich Jamaika, seines Zeichen schnellstes Land der Welt. Allerdings sollte die karibische Insel lieber nicht mit diesem Slogan Werbung machen, denn welcher Tourist will schon ständig Leute auf der Straße rumrennen sehen. Trotz des Sieges im Medaillenspiegel haben die US-Sportler etwas enttäuscht und konnten keinen Stich gegen Bolt und co. setzen. Und dass sowohl Männer als auch Frauen in den Staffelläufen über 4×100 Meter es nicht geschafft haben, den Staffelstab ins Ziel zu bringen, spricht für sich. Nix gelernt, kann man da nur sagen, bei Olympia vor einem Jahr gelang ihnen nämlich das gleiche “Kunststück”.
Die Leistung der deutschen Mannschaft war ordentlich, wird aber wieder mal gerne überschätzt. Wie schon erwähnt war das Gesamtniveau nicht allzu hoch und die Ausbeute von zwei Goldmedaillen ist durchaus noch verbesserungswürdig. Gut, zugegeben, die deutschen Athleten haben es immer noch besser gemacht als meine Landsmänner und -frauen. Bei weitem besser. Zu der chinesischen Bilanz von nur 4 Medaillen, darunter eine goldene, muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Zum Glück haben die Marathonläuferinnen am letzten Tag noch unsere Ehre gerettet und uns immerhin eine Goldmedaille eingebracht.
Auch wenn unser Superstar über 110 Meter Hürden verletzt war und nicht antreten konnte, muss man doch mal wieder feststellen: Die chinesische Leichtathletik ist sau schlecht und muss dringend verbessert werden.Leitung und Organisation
Ebenfalls verbesserungswürdig, aber nicht ganz so mies wie die chinesische Leichtathletik (was auch ziemlich schwer wäre) war die Berliner Leitung der WM. Zur Verteidigung der Berliner muss man natürlich sagen, dass sie nicht alleine schuld sind und sicher auch die Leute vom internationalen Verband IAAF einiges verbockt haben. Das fängt bei den unmöglich Ticketpreisen an, welche im wahrsten Sinne reihenweise leere Stadionsitze zurfolge hatten und geht bis hin zu den katastrophalen Zeiteinteilungen. Dass manche Sportler teilweise bis 11 Uhr gefordert wurden, ist nun wirklich organisatorisch unklug. Auch halte ich die Pausen der Zehnkämpfer zwischen den Disziplinen von gefühlten 10 Sekunden für viel zu kurz.
Weiterhin muss ich – wie auch die Kommentatoren von Eurosport – hinterfragen, wieso die Deppen mehrere Minuten brauchen um z.B. beim Hürdenlauf oder beim Zehnkampf die Platzierungen zu ermitteln? Stammt die Technik noch aus der DDR oder was? Die minutenlangen Verzögerungen sind enorm schlecht für die Atmosphäre und die Sportler wollen sicher auch nicht einen Tag später wiederkommen, um zu erfahren, wer denn jetzt eigentlich das Rennen gewonnen hat.
Ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber die südafrikanische Siegerin über 800 Meter wird verdächtigt ein Mann zu sein, besser gesagt über männliche Chromosomen zu verfügen. Als Anhaltspunkt wird ihr maskulines Aussehen genommen.

Klar, sie schaut nicht gerade sonderlich feminin aus, dennoch ist solch eine Verdächtigung ziemlich unverschämt. Aber das ist nicht der Punkt, denn man kann durchaus einen Gen-Test durchführen, um absolute Sicherheit zu haben, ist schließlich die Weltmeisterschaft, auch wenn es dennoch sehr grenzwertig ist. Doch die ganzen Anschuldigungen der Öffenlichkeit mitzuteilen, ist eine völlig andere Sache. Und dies geschah sogar schon im Vorfeld des Finales, was dazu führte, dass es kaum Jubel im Stadion gab. Einen der größten Momente im Leben eines Sportlers so zu vermiesen ist ganz schlechter Stil von der IAAF. Ich bin sicher, man hätte das ganze auch geheim abwickeln können und kann gut verstehen, dass bei den Südafrikanern Unmut über das Verhalten der IAAF herrscht.
Um noch mal auf das Marketing zurückzukommen: Das hätte auch besser ablaufen können. So hätte ein wenig mehr Werbung sicherlich gut getan. Auch wenn es bei den Deutschen generell schwer ist, von ihnen Beachtung zu bekommen. Vor allem im Rückblick auf Olympia 2008, deren Jahre lange Vorbereitung ich ja persönlich miterlebt habe, muss man sagen: Das geht besser, Berliner!
Das Maskottchen Berlino
Aber fürs erste genug gejammert. Das Maskottchen Berlino war wirklich vorbildlich in Sachen (Hyper-)Aktivität und Charme und lässt die hässlichen Olympia-Puppen, welche das einzige Manko von Peking waren, weit hinter sich. Nicht nur seine Duett-Auftritte mit Bolt waren wirklich cool (siehe Foto oben), er war auch für den ein oder anderen Lacher gut.
Aber Berlino hat nicht nur eine ausgesprochene Robustheit, sondern auch eine hevorragende Fitness bewiesen:
Im Fernsehen habe ich auch noch Szenen gesehen, in denen er Liegestützen mit Klatschen machte – und das alles in dem Riesenkostüm, wohlgemerkt.
Auch wenn der Bär mitunter etwas aufdringlich war und ich mich irgendwie wundere, woher die ganzen Bären in letzter Zeit kommen, fand ich Berlino top und sage: Ich bin ein Berlino!
Fernsehübertragungen oder “Wieso Eurosport rockt”
Hiermit lache ich offiziell und öffentlich all diejenigen aus, die die WM auf den öffentlich-rechtlichen Sendern geschaut haben: Haha.
Ne, im Ernst: ARD und ZDF sind nicht zu ertragen. Die Kommentatoren sind inkompetent, emotionslos und die ganze Regie richtet sich ausschließlich nach oftmals mäßigen deutschen Teilnehmern. Dazu kommt noch, dass die Öffentlich-Rechtlichen pro Minute mindestens zehn Mal irgendwen des Dopings beschuldigen müssen. So etwas nervt. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen an die Unschuldsvermutung halten würden. Jeder soll so lange als unschuldig gelten, bis das Gegenteil bewiesen ist. Ich will die Sportübertragungen genießen und mir nicht solche Deppen wie Johannes B. Kerner (”400 Meter unter 44 Sekunden, das geht doch gar nicht, sie müssen doch gedopt haben, Herr Michael Johnson!” ) anhören. Gut, der ist ja abgewandert, aber ihr wisst schon, was ich meine.
Ganz anders Eurosport. Das eingespielte und erfahrene Duo Sigi Heinrich und Dirk Thiele, die über weite Strecken der WM gemeinsam oder im Wechsel kommentiert haben, bringt Emotionen rüber. Sowieso frage ich mich, wieso es inzwischen nicht Standart ist, dass die meisten Sportwettkämpfe mit zwei Kommentatoren übertragen werden. Eurosport hat einen begrenzten Personalstab und kann es daher natürlich nicht immer praktizieren. Das gilt aber nicht für die ÖRs. Wenn ich schon GEZ zahle, dann erwarte ich auch, dass man alle paar Monate mal zwei Kommentatoren aufbietet? Ist das denn zu viel verlangt? Viele andere Länder zeigen, dass es funktioniert.
Also lasse ich euch mal mit dem 100m Lauf von Eurosport alleine…
Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 26. August 2009 und abgelegt unter Sport, TV. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Mittwoch 26. August 2009 um 09:30
Hä? Eine Leichathletik-WM?0.o Hier? In Deutschland? lol, ich leb wohl hinterm Mond…
Tolles Maskottchen… ein Pedobär! K-r-e-a-t-i-v.
Anschuldigungen, die nur auf Spekulationen basieren, publik zu machen, ist natürlich alles andere als eine Glanzleistung… ZakuAbumi[Kommentar zitieren]
Donnerstag 27. August 2009 um 14:55
Naja die Ausbeute der Chinesen mit vier Medaillen ist nicht berauschend. Aber immerhin haben sie bei Olympia richtig geprotzt. ;)
Und dabei sein ist schließlich alles. ^^
Außerdem drehte sich die WM auch sowieso nur um Usain Bolt. XD RockD[Kommentar zitieren]
Samstag 29. August 2009 um 22:09
@ Zaku Abumi
Das sieht mal wieder. Miserable Marketing-Arbeit, nicht mal die Leute im Land haben was mitbekommen. XD
@ RockD
Ja, in der LA besteht großer Nachholbedarf. Ist ja nicht so, dass es in so einem großen Land keine Talente gäbe (siehe Olympia), bei der organisierten Förderung muss man sich verbessern. So finde ich zum Beispiel, dass China mehr Sportvereine braucht. Gintoki[Kommentar zitieren]