Kotatsu Revolution

Unterm Kotatsu – Über die Welt

Schmerz lässt nach…

Samstag 15. August 2009 von Gintoki

Nachdem ich die letzten Tage mehr tot als lebendig verbracht habe, verkünde ich hiermit feierlich meine Wiederauferstehung.

So ziehet umher und verbreitet die frohe Botschaft, meine Jünger! Aber natürlich erst, sobald ich erzählt habe, was die letzten Tage so los war…

Ich fasse mich mal kurz. Denn die letzten Tage waren wahrlich unschön. Fangen wir mal mit der Rückreise an. Wie ich schon erwähnt hatte, machte mir zu dieser Zeit eine Erkrankung zu schaffen. Nein, keine Schweinegrippe (generell ist die Ansteckungsgefahr in China recht gering, aber dazu später mehr), denn ich konnte weder feststellen, alle Menschen im Umkreis, die nicht bei drei auf den Bäumen waren, angesteckt zu haben, noch hatte ich Fieber. Aber nicht, dass ein harter Hund wie ich überhaupt was davon gemerkt hätte.

Zugegeben, so richtig granatenmäßig ging’s mir ehrlich gesagt dann doch nicht. Den Sitz, der mir im Flugzeug zugeteilt wurde, passte wunderbar zu meinem Gemüt. In Flugzeugen gibt es bekanntlich drei Blöcke, nämlich einen auf der linken Seite, einen auf der rechten Seite und einen in der Mitte. Der mittlere Sitzblock fängt erst mit drei Sitzen an und geht später in vier Sitzen pro Reihe über. Natürlich erwischte ich den ersten vierten Sitz, was nichts anderes bedeutete als dass ich keinen Vordersitz und somit keinen Bildschirm hatte. Ein Trost war immerhin, dass ich einigermaßen die Füße ausstrecken konnte.

Gut, dass ich mich beim Einsteigen noch schnell mit deutschen Zeitungen eingedeckt hatte, sodass ich immerhin was lesen konnte. Dabei fiel mir mal wieder auf, wie mies die Frankfurter Allgemeine doch eigentlich ist. Mit dieser Zeitung kann ich mich einfach nicht so recht anfreunden.

Da saß ich also im Flugzeug, bis ich schließlich mal die Toilette aufsuchen musste. Nicht etwa, weil ich 15 atü Kesseldruck gehabt hätte, sondern um mich einer großen Masse hell- bis dunkelgelben Auswurfes zu entledigen, der mir im Hals klebte und der teuflischen Absicht folgte, mich hinterhältig zu ersticken. Während ich also das Husten unterdrückte – es waren höchstwahrscheinlich Deutsche mit an Bord und bei denen weiß man ja nie so genau, wie leicht die in Panik ausbrechen könnten (Erzählungen zufolge soll dafür schon reichen, der Stewardess einen blöden Spruch à la “Ich hoffe, Sie gehören zu den 72 Jungfrauen, die im Himmel auf mich warten” zu sagen) – stellte ich immer wieder bestürzt die Besetzung und Belagerung aller Toiletten fest. Ich weiß, die letzten Worte schreien geradezu nach einem Witz mit Bezug zu gewissen bewaffneten Wandertage im vorigen Jahrhundert, aber den verkneife ich mir mal lieber.

Geduldig wartete ich also nach Luft ringend seelenruhig eine günstige Gelegenheit ab und ergatterte eine Kabine. Der Waschbecken war offensichtlich verstopft, denn ein Blick hinein verriet mir auf höchst schleimige Weise, dass viele Mitpassagiere anscheinend an den gleichen Beschwerden litten wie ich.

Als noch viel unappetitlicher stellte sich aber wieder Mal das Flugzeugessen heraus. Die Erinnerungen daran erspare ich euch und vor allem mir aber mal lieber.

Als das Flugzeug dann langsam zur Landung ansetzte, überkamen mich auf einmal stechende Kopfschmerzen. Während mir meiner Mutter also schnell Atmungstipps zum Druckausgleich gab, schossen mir Gedanken durch den Kopf, dass sich in etwa so eine Gehirnblutung anfühlen müsste. Wer positiv denkt, dem wird auch Positives widerfahren. Wer negativ denkt, dem wird auch Negatives widerfahren. Ich kann grob bestätigen, dass das im Umkehrschluss ebenfalls zutrifft. Zumindest bei der letzteren These…

Nach der Landung ließen die Kopfschmerzen dann langsam nach, ebenso wie das Bedürfnis meines Frühstücks, einen Rückweg zu nehmen (das Flugzeugessen hat übrigens nicht mal meine Genehmigung für den Hinweg erhalten).

Damit war’s aber nicht überstanden, schließlich waren wir gerade erst bei der Zwischenstation München angelangt und durften somit als Zugabe noch mal in ein Flugzeug steigen. Das bedeutete auch, dass der ganze Checkin-Kram noch mal wiederholt werden musste.

Meine Befürchtungen bezüglich meiner Körpertemperatur waren übrigens unbegründet. Durch den Fiebertest bin ich nicht gefallen. Es gab nämlich überhaupt keinen. Man könnte also sogar die Beulenpest einschleppen, ohne dass es irgendeinen juckt – bis auf den Betroffenen, versteht sich. Nicht, dass einer von uns die Beulenpest gehabt hätte, aber bei meiner von den chinesischen Killermücken arg gebeutelten Schwester hatte es schon arg den Anschein danach.

Ganz ehrlich, es ist ziemlich unverantwortlich, bei Einreisenden nicht kleinste Kontrolle durchzuführen. Die Schweinegrippe breitet sich rasend schnell aus und in Deutschland lässt man weiterhin munter das Virus einschleppen. Das wieder mal desaströse Verhalten des Gesundheitsministeriums zeigt sich deutlich bei der Zahl an H1N1-Infizierten hierzulande, die sich schon längst im fünfstelligen Bereich befindet. Zum Vergleich: In China, welches umfassende Kontrollmaßnahmen durchführt und allen Einreisenden empfiehlt, eine Woche (entspricht der Inkubationszeit) lang zuhause zu bleiben, sind erst um die 2000 Fälle (Stand: letzte Woche) bekannt. Also nur halb so viele wie in ganz NRW…

Als wir dann auf den nächsten Flieger warteten, bekam ich plötzlich Nasenbluten. Ich kann übrigens das Klischee verneinen, dass Nasenbluten bei Ostasiaten auf ein Aufkommen von Lüsternheit zurückzuführen ist. Zumindest fand ich meine aufgrund meiner Erkrankung gereizten Atemwege wenig betörend und die sind ja die Ursache für mein Nasenbluten.

Beim Schluss der Reise fasse ich mich mal kurz. Natürlich kamen unsere Gepäcksstücke als letzte auf die Rollbahn. Immerhin war kein Koffer verloren gegangen, sodass wir nicht den Verlust von unseren meist unnützen, aber so schön günstigen Erwerbnissen aus China beklagen mussten.

Zurück in Deutschland sind mir neben der kühlen Temperatur (oh, wie sehr habe ich sie vermisst) direkt wieder zwei Sachen aufgefallen:

1. Es gibt hier viel weniger Menschen…

2. …dafür umso mehr große und vor allem fette.

Schlussfolgerung: Weniger Menschen = Mehr Platz für alle.

Und ansonsten, na ja, wisst ja, wie es in Deutschland so ungefähr ist. Zu meiner Enttäuschung musste ich feststellen, dass die CDU immer noch besteht. Immerhin ist der Fall um die Parteispendenaffäre wieder ins Rollen gekommen. Leider habe ich aber nicht so große Hoffnung, dass der kriminelle Wolfgang S. endlich weggesperrt wird, wie es eigentlich schon seit zehn Jahren der Fall sein müsste.

Am nächsten Tag ging’s dann direkt zum Zahnarzt, der mir netterweise auf der linken Seite zwei Weisheitszähne gezogen hat. Oben einen, unten einen. Dafür hatte er mir erst mal gefühlte zehn Spritenlandungen Narkosemittel verpasst. Dann wurde das Zahnfleisch aufgeschnitten und es hat schön geknackt, als der Zahn Stück für Stück aus dem Kiefer gebrochen wurde. Am Ende wurde unten alles schön vernäht, oben wurde der Zahn direkt gezogen. Ich erspare euch mal weitere Einzelheiten.

Und so durfte ich dann meine Beschwerden auskurieren.

Die Scheiße wollte nicht aufhören zu bluten, dazu bekam ich immer wieder mal Nasenbluten (hier übrigens auch wegen Atemwegen). Und so führte ich den unfreiwilligen Selbstversuch durch, wie lange ein Mensch wohl brauchen würde, um zu verbluten. Mir ging es so richtig schlecht. Krankheit, Reisestrapazen – ich war ohnehin schon nicht ganz fit und dann kam auch noch so ein Eingriff. Das Narkosemittel (Überdosis?) habe ich anscheinend auch nicht vertragen, jedenfalls hatte ich höllische Kopfschmerzen und musste mich zweimal übergeben, was die Blutungen natürlich noch weiter verstärkte. Ich konnte kaum schlafen, weil ich nachts immer wieder Blut auspucken musste. Die Krankheit mit starkem Husten inklusive Auswurf kam denkbar ungelegen. Ich musste paar Tage lang zwangsfasten und konnte erst mal nur Brühe zu mir nehmen. Und dass die Scheiße geschmerzt hat, versteht sich von selbst.

Kurzum: Es war eine furchtbare Erfahrung und ich freue mich sehr, dass in den Herbstferien die rechte Seite drankommt (Update: wurde nun auf Osterferien verschoben).

Nach drei, vier Tagen war dann glücklicherweise das Schlimmste überstanden und ich stufte mein Leben wieder als einigermaßen lohnenswert ein. Seit ein paar Tagen sind auch die Fäden raus und ich muss nur noch ein paar Wochen lang eine desinfizierende Mundspülung benutzen, damit sich die Scheiße nicht entzündet.

Na ja, jetzt bin ich wieder fit und voller Tatendrang. ^^

PS: Verzeiht meine unorthodoxe Ausdrucksweise.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 15. August 2009 um 00:00 und abgelegt unter Aus dem Leben, China, Lästereien, Rund um die Welt, Satire, Urlaub. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

5 Kommentare über “Schmerz lässt nach…”

  1. Wuhu schrieb:

    “Ich fasse mich mal kurz” runterscroll.. mhm

    nyaa~~ kurzfassen geht anders xD

    Schön zu hören das du wieder fit bist ^^. Es fällt allerdings schwer das zu glauben einen Satz nach deinem Erlebnissbericht. Liegen paar schöne Tage Genesung dazwischen, deine Schwester hat sich hier auch nich mehr blicken lassen. (Verdammt meine Gedankensprünge sind beim nochmal lesen echt auffallend xD)

    PS: Weisheitszähne behalten wills :o
    PPS: Ach und ich dachte jetzt das das Nasenbluten von einem Rückstau im … *pfeif* zu wenig Platz undso *kicher* XD
    PPS: Nein, das war nicht sehr erwachsen^^.  [Kommentar zitieren]

  2. ZakuAbumi schrieb:

    Toller Bericht. Wobei das jetzt nicht sehr positiv klingt, wenn man das ganze Blutvergießen hier bedenkt!^^

    Hin und wieder war ich beim Lesen schon drauf und dran, unappetitliche Wurgs-Laute von mir zu geben, was Gott sei Dank nicht passierte.
    Allein schon vom Lesen spüre ich Krankheiten hochkommen… *hatschie!!* Zufall… das muss ein Zufall sein… *snieff*

    Zumindest weiß ich jetzt, dass Zahnärzte mit der Sänfte eines Presslufthammers vorgehen, um ihr Ziel zu erreichen…

    Achja, du hast es vielleicht noch nicht mitbekommen… Darker Than BLACK 2 hat schon einen Trailer bekommen.  [Kommentar zitieren]

  3. Gintoki schrieb:

    @ Wuhu

    Och, ist besser so, dass meine Schwester nicht vorbeischaut. Hier stehen jede Menge Sachen, die einige meiner Mitmenschen nicht erfahren sollten. XD

    PS: Wenn du keine Zahnspange hattest, dann wirst du die Zähnchen wahrscheinlich behalten dürfen. ^^

    @ ZakuAbumi

    Danke für den Hinweis, den zweiten Trailer kannte ich noch nicht, war noch nicht dazu gekommen, mich zu informieren. ^^

    Aber was mir schon beim ersten, sehr kurzen Trailer aufgefallen ist, ist dass mein Landsmann sich mal wieder die Haare schneiden sollte. XD

    Na ja, alsbald bringe ich dann einen neuen Artikel über DTB2 raus, der die neuen Infos und Materialien zusammenfasst. Aber erst mal kommen andere Themen dran. ^^  [Kommentar zitieren]

  4. PaladinFenris schrieb:

    Meine Weisheitszähne sind seit Jahren schon raus. Mussten damals rausoperiert werden, weil sonst 5 Jahre lang Zahnklammer vollkommen für die Katz gewesen wären. Wurden rausoperiert, zum Glück (?) unter Vollnarkose.

    Was die Mundspülung angeht, nimm die von Jack Daniels :-) die ist bestimmt auch desinfizierend  [Kommentar zitieren]

  5. Gintoki schrieb:

    Danke für den Tipp, ich habe aber schon eine verordnet bekommen. ^^  [Kommentar zitieren]

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